Die Graft-versus-Host-Erkrankung ist eine mögliche Komplikation nach allogener Stammzelltransplantation: Spenderabwehrzellen greifen Gewebe des Empfängers an. Hautausschlag, Durchfall, Gelbsucht, trockene Augen oder Atemnot sollten rasch dem Transplantationsteam gemeldet werden. Die Behandlung richtet sich nach Organbefall und Schweregrad.
Die Graft-versus-Host-Erkrankung, kurz GvHD, kann nach einer allogenen Stammzelltransplantation auftreten. Bei dieser Transplantation stammen blutbildende Stammzellen von einer anderen Person. Mit dem Transplantat werden auch Immunzellen des Spenders übertragen. Diese Zellen können bestimmte Gewebe des Empfängers als fremd erkennen und eine Entzündungsreaktion auslösen. Eine GvHD ist keine Folge einer Ansteckung und kann nicht auf andere Menschen übertragen werden.
Die Erkrankung betrifft vor allem Haut, Magen-Darm-Trakt, Leber, Mund, Augen, Lunge und Bewegungsapparat. Die Ausprägung reicht von leichten, gut behandelbaren Beschwerden bis zu schweren Verläufen. Eine engmaschige Nachsorge nach der Transplantation hilft dabei, Veränderungen früh zu erkennen und die Therapie rechtzeitig anzupassen.

Ärzteteams unterscheiden vor allem akute und chronische Formen. Die akute GvHD entwickelt sich häufig in der frühen Zeit nach der Transplantation, kann jedoch auch später auftreten. Sie betrifft besonders Haut, Darm und Leber. Die chronische GvHD kann Monate bis Jahre nach der Transplantation beginnen. Sie kann unterschiedliche Organe einbeziehen und ähnelt in manchen Aspekten Autoimmun- oder Bindegewebserkrankungen.
Die zeitliche Einteilung allein reicht nicht für eine sichere Beurteilung aus. Entscheidend sind die Beschwerden, die betroffenen Organe, Untersuchungsergebnisse und der Verlauf. Nicht jedes Symptom nach einer Transplantation bedeutet GvHD: Infektionen, Arzneimittelnebenwirkungen und andere Komplikationen können ähnliche Zeichen verursachen.
Ein neues Exanthem kann ein frühes Zeichen sein. Möglich sind Rötungen, fleckiger oder großflächiger Ausschlag, Juckreiz, Brennen, trockene oder schuppige Haut sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Bei chronischer GvHD können sich Hautareale verhärten oder spannen; dadurch kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein. Veränderungen der Haarstruktur oder Pigmentierung sind ebenfalls möglich.
Eine akute Beteiligung des Darms kann wässrigen Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit verursachen. Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust können Schwäche, Schwindel oder wenig Urin auftreten. Eine Leberbeteiligung zeigt sich manchmal zunächst nur in Blutwerten. Möglich sind außerdem Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl oder Juckreiz.
Bei chronischer GvHD können Mundtrockenheit, Schleimhautentzündungen, schmerzhafte Stellen, Geschmacksveränderungen und Empfindlichkeit gegenüber scharfen Speisen auftreten. Trockene, brennende oder gerötete Augen, ein Fremdkörpergefühl und Sehstörungen sollten augenärztlich abgeklärt werden. Husten, Belastungsatemnot, pfeifende Atmung oder wiederkehrende Infekte können auf eine Lungenbeteiligung hinweisen.
Auch Muskel- oder Gelenkschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, anhaltende Müdigkeit und Gewichtsverlust können vorkommen. Solche Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinflussen und verdienen eine gezielte Behandlung.
Kontaktieren Sie Ihr Transplantationszentrum oder den vereinbarten Notdienst zeitnah bei neuem Ausschlag, zunehmendem Durchfall, Erbrechen, Fieber, Gelbsucht, Atemnot, starken Schmerzen, deutlicher Sehverschlechterung oder wenn Sie kaum trinken können. Bei schwerer Atemnot, Bewusstseinsveränderung, Kreislaufproblemen, Blut im Stuhl oder rascher Verschlechterung ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Ändern Sie Medikamente zur Immunsuppression niemals selbstständig und setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab. Eine unkontrollierte Änderung kann das Risiko für GvHD oder andere Komplikationen erhöhen.
Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch, die körperliche Untersuchung und gezielte Tests. Das Behandlungsteam fragt nach Beginn, Verlauf und Schwere der Beschwerden sowie nach allen eingenommenen Medikamenten. Blutuntersuchungen können Entzündung, Leberfunktion, Blutbild und andere Ursachen beurteilen. Je nach Symptomen kommen Stuhluntersuchungen, Ultraschall, Lungenfunktion, bildgebende Verfahren oder eine augenärztliche Untersuchung hinzu.
Oft wird eine kleine Gewebeprobe entnommen, beispielsweise aus Haut, Mundschleimhaut oder Darm. Die Biopsie kann helfen, die Diagnose zu sichern und Infektionen oder andere Erkrankungen abzugrenzen. Bei Durchfall ist der Ausschluss infektiöser Ursachen besonders wichtig, da immunsupprimierte Menschen ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen haben.
Die Behandlung wird individuell geplant. Sie berücksichtigt die betroffenen Organe, den Schweregrad, frühere Therapien, Infektionsrisiken und die allgemeine Verfassung. Ziel ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Beschwerden zu lindern, Organschäden möglichst zu vermeiden und gleichzeitig die Funktion des Transplantats zu erhalten.
Bei begrenztem Hautbefall können entzündungshemmende Cremes oder Salben eingesetzt werden. Für Mund- und Augenbeschwerden kommen beispielsweise spezielle Spüllösungen, befeuchtende Präparate, lokale entzündungshemmende Medikamente sowie zahnärztliche oder augenärztliche Mitbetreuung infrage. Konsequente Hautpflege, Sonnenschutz und eine gute Mundhygiene ergänzen die medizinische Therapie.
Bei ausgeprägterem oder mehrere Organe betreffendem Befall werden häufig Kortikosteroide eingesetzt. Reicht die Wirkung nicht aus oder treten relevante Nebenwirkungen auf, können weitere immunmodulierende Medikamente erwogen werden. Welche Wirkstoffe geeignet sind, entscheidet ein erfahrenes Transplantationsteam. Regelmäßige Kontrollen sind notwendig, weil die Therapie das Infektionsrisiko erhöhen und unter anderem Blutdruck, Blutzucker, Knochen, Nieren oder Leber beeinflussen kann.
Eine gute Begleitbehandlung ist ein wichtiger Teil der Versorgung. Dazu zählen Flüssigkeits- und Ernährungsberatung bei Darmbeschwerden, Schmerztherapie, Physiotherapie und Bewegungsübungen bei eingeschränkter Beweglichkeit sowie psychosoziale Unterstützung. Je nach Immunsuppression können vorbeugende Maßnahmen gegen bestimmte Infektionen notwendig sein. Impfungen nach Stammzelltransplantation sollten ausschließlich nach dem Plan des Transplantationszentrums erfolgen.

Eine GvHD kann sich unter Behandlung zurückbilden, über längere Zeit bestehen bleiben oder wieder aufflammen. Deshalb sind regelmäßige Nachsorgetermine wichtig, auch wenn Sie sich stabil fühlen. Berichten Sie über neue Beschwerden offen und frühzeitig. Die Behandlung kann im Verlauf angepasst werden; ein gemeinsamer Plan mit Transplantationsmedizin, Hausarzt und beteiligten Fachdisziplinen unterstützt eine sichere, langfristige Versorgung.
Nein. Eine GvHD ist keine Infektion und nicht übertragbar. Sie entsteht durch eine Immunreaktion von übertragenen Spenderabwehrzellen gegen Gewebe des Empfängers.
Ja. Insbesondere eine chronische GvHD kann Monate oder Jahre nach einer allogenen Stammzelltransplantation beginnen. Neue Beschwerden sollten daher auch in der Langzeitnachsorge dem Transplantationsteam mitgeteilt werden.
Schnell zunehmender Durchfall, Erbrechen, Fieber, Gelbsucht, Atemnot, starke Schwäche, Blut im Stuhl oder rasch ausgedehnter Hautausschlag benötigen eine zeitnahe medizinische Beurteilung. Bei schwerer Atemnot oder Kreislaufproblemen ist sofort Hilfe erforderlich.
Eine Gewebeprobe kann typische Entzündungsveränderungen zeigen und hilft, GvHD von Infektionen, Arzneimittelreaktionen oder anderen Ursachen abzugrenzen. Ob eine Biopsie erforderlich ist, hängt vom betroffenen Organ und der klinischen Situation ab.
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