Welche Stammzellen werden in der Therapie verwendet?

Welche Stammzellen werden in der Therapie verwendet?

Welche Stammzellen werden in der Therapie verwendet?
Kurzantwort

In der Stammzellen Therapie werden vor allem blutbildende Stammzellen aus Knochenmark, peripherem Blut oder Nabelschnurblut verwendet. Seltener kommen körpereigene Fett- oder Gewebestammzellen in speziellen, meist noch begrenzt etablierten Anwendungen zum Einsatz. Welche Quelle geeignet ist, hängt von Erkrankung, Behandlungsziel und Sicherheitsaspekten ab.

Stammzellen sind spezialisierte Körperzellen mit der Fähigkeit, sich zu teilen und in bestimmte Zelltypen zu entwickeln. In der medizinischen Therapie werden nicht „alle“ Stammzellen gleich verwendet. Entscheidend ist, aus welcher Quelle sie stammen, wofür sie eingesetzt werden und wie gut ihre Wirksamkeit und Sicherheit wissenschaftlich belegt sind.

Welche Stammzellen kommen in der Therapie am häufigsten vor?

In der klinischen Praxis werden vor allem hämatopoetische Stammzellen eingesetzt. Diese blutbildenden Stammzellen bilden die Grundlage für die Entstehung von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Stammzelltransplantation, etwa bei bestimmten Erkrankungen des Blutes und des Knochenmarks.

Daneben gibt es mesenchymale Stromazellen, die häufig umgangssprachlich ebenfalls als Stammzellen bezeichnet werden. Sie werden in einigen medizinischen Bereichen und Studien untersucht, zum Beispiel wegen ihrer unterstützenden Eigenschaften bei Reparatur- und Entzündungsprozessen. Ihre therapeutische Anwendung ist jedoch je nach Erkrankung unterschiedlich gut etabliert.

Wichtige Quellen von Stammzellen

Ärztin betrachtet Stammzellproben im modernen Kliniklabor

1. Knochenmark

Das Knochenmark ist eine klassische Quelle für blutbildende Stammzellen. Die Zellen werden in einem Eingriff aus dem Beckenkamm gewonnen. Diese Quelle wird seit vielen Jahren in der Transplantationsmedizin genutzt und ist gut untersucht.

  • geeignet für bestimmte Blut- und Knochenmarkerkrankungen
  • liefert reife, klinisch bewährte Stammzellen
  • die Gewinnung erfolgt unter medizinischen Bedingungen

2. Peripheres Blut

Stammzellen können auch aus dem Blutkreislauf gewonnen werden. Dafür werden die Zellen zunächst mit Medikamenten aus dem Knochenmark ins Blut mobilisiert und anschließend über eine Blutentnahme gesammelt. Diese Methode ist heute häufig, weil sie für viele Patientinnen und Patienten weniger invasiv ist als eine Knochenmarkentnahme.

  • häufige Quelle für Transplantationen
  • ermöglicht die Sammlung größerer Zellmengen
  • besonders wichtig bei autologen und allogenen Transplantationen

3. Nabelschnurblut

Nabelschnurblut enthält junge blutbildende Stammzellen, die nach der Geburt aus der Plazenta und der Nabelschnur gewonnen werden können. Es wird in öffentlichen oder privaten Nabelschnurblutbanken aufbewahrt und kann für bestimmte Therapien genutzt werden.

  • enthält immaturere Stammzellen
  • geringere Zellmenge als bei anderen Quellen
  • besonders relevant in der pädiatrischen Transplantation

4. Fettgewebe und andere Gewebe

Aus Fettgewebe lassen sich Zellen gewinnen, die in der Forschung und in einigen klinischen Anwendungen untersucht werden. Auch aus anderen Geweben, etwa Muskeln oder der Gebärmutterschleimhaut, werden Stammzellarten beschrieben. Für viele dieser Anwendungen gilt jedoch: Die Evidenzlage ist je nach Indikation begrenzt und die Anwendung muss sorgfältig geprüft werden.

Autolog, allogen, embryonal: Was bedeutet das?

Neben der Herkunft der Zellen ist auch wichtig, von wem sie stammen.

  • Autologe Stammzellen: Die Zellen stammen von der Patientin oder dem Patienten selbst.
  • Allogene Stammzellen: Die Zellen stammen von einer anderen Person, meist von einem passenden Spender.
  • Embryonale Stammzellen: Diese stammen aus sehr frühen Entwicklungsstadien. Sie sind biologisch besonders vielseitig, werden aber wegen ethischer und rechtlicher Fragen in der Therapie nur sehr eingeschränkt eingesetzt.

In der klinischen Routine dominieren heute vor allem autologe und allogene hämatopoetische Stammzellen. Embryonale Stammzellen spielen in der Patientenversorgung bislang eine untergeordnete Rolle.

Worin unterscheiden sich die Stammzellquellen?

Die wichtigsten Unterschiede betreffen die biologische Funktion, die Verfügbarkeit, die Risiken und die therapeutische Evidenz. Blutbildende Stammzellen sind gut etabliert, weil sie sich zur Wiederherstellung der Blutbildung eignen. Andere Zellarten werden eher für regenerative Ansätze untersucht, sind aber nicht für jede Erkrankung standardisiert verfügbar.

Außerdem spielt die Immunverträglichkeit eine große Rolle. Bei autologen Zellen besteht kein Risiko einer Abstoßungsreaktion durch fremdes Gewebe. Bei allogenen Zellen ist die Spenderauswahl wichtig, da das Immunsystem reagieren kann. Dafür können allogene Zellen in Situationen Vorteile haben, in denen körpereigene Zellen nicht geeignet oder nicht verfügbar sind.

Für welche Therapien werden Stammzellen genutzt?

Am besten etabliert sind Stammzelltherapien bei bestimmten Erkrankungen des Blutes, des Immunsystems und des Knochenmarks. Dazu gehören unter anderem einige Leukämien, Lymphome, aplastische Anämien und angeborene Blutkrankheiten. In diesen Bereichen kann eine Stammzelltransplantation Teil eines komplexen Behandlungskonzepts sein.

In anderen Bereichen, etwa bei orthopädischen, neurologischen oder entzündlichen Erkrankungen, werden Stammzellen ebenfalls erforscht. Hier ist wichtig, zwischen zugelassenen Behandlungen, klinischen Studien und kommerziellen Angeboten zu unterscheiden. Nicht jede als „Stammzelltherapie“ beworbene Behandlung ist medizinisch ausreichend belegt.

Wie werden geeignete Stammzellen ausgewählt?

Die Auswahl hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Art der Erkrankung
  • Therapieziel
  • eigene Vorerkrankungen
  • Verfügbarkeit eines passenden Spenders
  • biologische und immunologische Eignung
  • Stand der wissenschaftlichen Evidenz

Vor einer Behandlung beurteilt das Ärzteteam, welche Quelle die beste Balance aus Wirksamkeit, Sicherheit und Praktikabilität bietet. Oft sind dazu Laboruntersuchungen, Gewebe- oder Blutanalysen sowie eine sorgfältige Risikoeinschätzung notwendig.

Worauf sollten Patientinnen und Patienten achten?

Arzt erklärt Stammzellquellen in einem Beratungsgespräch

Wenn Ihnen eine Stammzelltherapie angeboten wird, fragen Sie nach:

  • Welche Stammzellquelle wird verwendet?
  • Ist die Behandlung zugelassen oder Teil einer Studie?
  • Welche Vorteile sind realistisch?
  • Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
  • Wie gut ist die wissenschaftliche Datenlage für meine Diagnose?

Eine seriöse Empfehlung sollte immer auf einer individuellen ärztlichen Beratung beruhen. Vorsicht ist geboten bei Versprechen einer sicheren Heilung oder bei Angeboten ohne transparente Angaben zur Herkunft der Zellen und zur Evidenz.

Fazit

In der Therapie werden vor allem blutbildende Stammzellen aus Knochenmark, peripherem Blut und Nabelschnurblut verwendet. Je nach Erkrankung kommen unterschiedliche Quellen infrage, wobei sich die Zellen in Reifegrad, Gewinnung und Anwendung unterscheiden. Eine gute Stammzelltherapie ist immer individuell, medizinisch begründet und wissenschaftlich nachvollziehbar.

FAQ

Welche Stammzellen werden am häufigsten therapeutisch genutzt?

Am häufigsten werden blutbildende Stammzellen aus Knochenmark, peripherem Blut und Nabelschnurblut eingesetzt.

Was ist der Unterschied zwischen autologen und allogenen Stammzellen?

Autologe Stammzellen stammen von der Patientin oder dem Patienten selbst, allogene Stammzellen von einer anderen Person, meist einem Spender.

Sind embryonale Stammzellen in der Therapie üblich?

Nein, sie spielen in der klinischen Routine nur eine untergeordnete Rolle und sind ethisch sowie rechtlich besonders sensibel.

Sind Fettstammzellen eine etablierte Therapiequelle?

Sie werden in einigen Bereichen untersucht und teils eingesetzt, aber die Evidenz ist je nach Indikation unterschiedlich gut.

Woran erkenne ich eine seriöse Stammzellbehandlung?

Seriös ist eine Behandlung, wenn Herkunft der Zellen, Nutzen, Risiken und wissenschaftliche Evidenz transparent erklärt werden.

×
Suche

Treatments are delivered at our JCI-accredited hospitals — Acıbadem International